Adolf Reichwein blickte in Seele der Mexikaner

„Töne, Themen, Talente“ – Mexiko-Abend an der Adolf-Reichwein-Schule mit Leidenschaft, Kultur und Musik
Auf den Spuren Adolf Reichweins in Mexico gingen der Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule gemeinsam mit der Spanisch-Lehrerin Alicia Feregrino und der Musikerin Ulrike Castro Leduc (Mitte) in der Reihe "Töne, Themen, Talente" am so genannten Mexico-Abend der Pohlheimer Gesamtschule

Auf den Spuren Adolf Reichweins in Mexico gingen der Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule gemeinsam mit der Spanisch-Lehrerin Alicia Feregrino und der Musikerin Ulrike Castro Leduc (Mitte) in der Reihe „Töne, Themen, Talente“ am so genannten Mexico-Abend der Pohlheimer Gesamtschule

POHLHEIM/MITTELHESSEN (rge/ger/rg), Auf die Spurensuche des Pädagogen und von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers im Dritten Reich, Adolf Reichwein, auf seiner Amerika-Reise begaben sich an der nach ihm benannten Gesamtschule in Pohlheim am Dienstagabend Lehrer, Schüler, Eltern und Gäste in der Kultur-Reihe „Töne, Themen, Talente“. Beim so betitelten Mexiko-Abend beleuchtete der Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule, Norbert Kissel, zum Einen dessen Reise-Route in den Jahren 1926/27, die ihn über die USA und Asien bis in das mittelamerikanische Land Mexiko führte. Zum Anderen berichtete die Spanisch-Lehrerin der Klassen 9 und 10, Alicia Feregrino von Land und Leuten in ihrer ehemaligen Heimat, die immer noch enge persönliche Verbindungen mit ihrer dort lebenden Familie pflegt aber auch noch Emotionell durch zahlreiche schöne Erinnerungen verbunden ist. Seit 21 Jahren lebt sie im Pohlheimer Stadtteil Hausen. Musikalisch umrahmte diesen Abend die Musikerin Ulrike Castro Leduc mit Gitarre und südamerikanischen Liedern.

 

 

„Buenos noches! – Guten Abend!“ begrüßte Kissel die zahlreichen Gäste in der Aula und berichtete von seinem jüngsten Telefongespräch mit der Tochter Adolf Reichweins, Sabine. Grüße übermittelte er von ihr und ihrem Bruder Roland, die die besten Wünsche für den Abend, der von der Fachschaft „Spanisch“ vorbereitet worden war. Nach seiner Reise veröffentlichte Reichwein viel beachtete Bücher über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der dortigen Landbevölkerung. Einer der Höhepunkte des Abends war die Aufführung eines mit Adolf Reichweins Unterstützung entstandener Film unter dem Titel „Maisernte in Mexiko“, den der ARS-Schulleiter in einem Berliner Antiquariat bei seinen Recherchen wieder entdeckt hatte. Das digitalisierte filmische Dokument der Zeitgeschichte wurde von südamerikanischen Klavierinterpretationen von Kissel live unterlegt.

Er rezitierte danach Passagen aus Reichweins Reise-Büchern, die auch seine gute Beobachtungsgabe von Menschen, Wirtschaft und Landwirtschaft dokumentierten. Er sah schon damals den Aufstieg von China und Indien heraufziehen und attestierte der mexikanischen Seele die Last von 300 Jahren Kolonialgeschichte, die in Anfällen von Grausamkeit ihren Ausdruck findet sowie eine rührende Gastfreundschaft, so seine Einschätzungen. Das er aber auch ein bedeutender Literat seiner Zeit war, verdeutlichte Kissel in Reichweins Erzählung unter dem Titel „Abenteuer mit Mensch und Tier“ mit seiner Detailverliebtheit in Menschen, Tiere und Landschaften.

 

Leidenschaft für Mexiko vermittelte Alicia Feregrino vom Spanischkollegium an der Pohlheimer Gesamtschule. Ihr Vortrag war eine Hommage an ihr Geburtsland, dias von Naturwundern und einem Jahrhunderte alten Kulturerbe geprägt, aber auch in der heutigen Zeit von 27.000 Toten in wenigen Jahren in den Drogenkriegen mit Korruption von Mafia, Politik und Polizei gezeichnet ist. Anhand ihrer Familie zeigte sie die schöne und lebenswerte Seite des mexikanischen Alltags auf. Als sie vom Erfolg ihres Bruder als Charreria (Reiter) bei der Charro-Meisterschaft (Rodeo/Stierkampf), dem Nationalsport Mexikos, erzählte konnte sie ihre Emotionen mit Erinnerungen an ihre Heimat nicht mehr verbergen. Dass Reichwein damals Mexiko besucht und darüber anschließend einfühlsam berichtet hatte, war nach ihrer Meinung Ausdruck seines Feingefühls und seinem Blick in die Seele der dort lebenden Menschen, genau so wie er die Gefahren des 3. Reichs frühzeitig erkannt hatte. Für die Zukunft von Mexiko ohne Gewalt und Korruption setzt sie auf zukünftige Generationen. „Kinder sind die Hoffnung Mexikos!“ sagte sie am Ende. Viel Applaus gab es für diese kulturelle Fremdsprachenstunde an der Adolf-Reichwein-Schule reichlich. Nach den Vorträgen und der Musik gab es noch im Foyer die Möglichkeit, sich bei mexikanischen Spezialitäten zu unterhalten.

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