Pohlheimer „Herbstzeitlose“ interessant als Gemeinschaftsunterkunft

Landkreis Gießen bestätigt Verhandlungen – Benachbarte Schulen befürchten Konflikte
Pohlheimer „Herbstzeitlose“ interessant als Gemeinschaftsunterkunft

Pohlheimer „Herbstzeitlose“ interessant als Gemeinschaftsunterkunft

POHLHEIM/MITTELHESSEN (rge/ger/rg), Spätestens im Herbst 2015 erwartet der erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Gießen Dirk Oßwald bis zu weitere 84 Flüchtlinge für die Stadt Pohlheim. Bisher haben 16 Frauen und Männer in der 18.000 Einwohner zählenden Limes-Stadt Schutz mit einem Dach über dem Kopf gefunden. Schon Monate lang machen Gerüchte die Runde, dass das zurzeit leerstehende Seniorenheim „Herbstzeitlose“ in Zukunft als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden soll. Oßwald bestätigt Verhandlungen mit den Besitzern, da das Haus aufgrund seiner Raumaufteilung mit Apartments, Sozialräumen und sanitären Einrichtungen sehr gut geeignet sei. Gesucht wird aber auch nach Alternativstandorten. Gespräche wurden im Vorfeld mit dem ehemaligen Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer so wie aktuell seinem Nachfolger Udo Schöffmann geführt.

 

Fest steht, dass der Landkreis aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation mit der Zuweisung von Land und Bund „händeringend“ neue Unterkünfte für betroffene Menschen sucht. Vermieden werden soll, dass Notunterkünfte in Schulturnhallen eingerichtet werden müssen, sind sich alle Verantwortlichen einig. Ziel des Landkreises ist es keiner Großgemeinde mehr als 100 Menschen zu zuteilen beziehungsweise nicht mehr als 80 in einer Gemeinschaftsunterkunft unter zu bringen. Das wäre im „Haus Herbstzeitlose“ in Watzenborn-Steinberg gewährleistet. Angedacht ist die Nutzung von zwei Stockwerken, für die anderen Räume sind Überlegungen im Gang um dort Angebote für Sprachkurse und Schulen zu etablieren. Sobald Ergebnisse für eine Gemeinschaftsunterkunft feststehen, werden auch die Bürger eingebunden. Der Kreis legt Wert neben der sozialen Verträglichkeit auf eine gelungene Integration, so Oßwald. Daher werde man im Falle einer Einigung die Pohlheimer Bevölkerung zu Bürgerversammlungen und „Runden Tischen“ einladen. „Das hat bisher sehr gut funktioniert.“ Engagement der Bürger für die Flüchtlinge ist erwünscht. Diese Hilfe koordiniert das Diakonische Werk Gießen mit hilfsbereiten ehrenamtlichen Frauen und Männern vor Ort. Und auch mit den benachbarten Schulen und allen relevanten Institutionen wurde und wird das Gespräch gesucht. Gute Erfahrungen wurden inzwischen in den weiteren 17 Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis gemacht. „Sicherheitsprobleme sind dort kein Thema und es gibt auch keine höheren Einbruchsquoten.“ unterstreicht Oßwald und greift damit Ängste von Bürgern auf. Ansprechpartner vor Ort für Bewohner und Anwohner sind die Betreiber als auch die hauptamtlichen Sozialarbeiter.

 

Gänzlich ungeeignet halten die Schulleiter der benachbarten Adolf-Reichwein-Schule, Norbert Kissel und der Limesschule, Kirsten Henkel, auf Nachfrage den Standort „Haus Herbstzeitlose“ aufgrund des fehlenden Areals rund um das Haus für die Flüchtlinge. Die beiden Schulen haben seit Jahren viel für die Integration von Immigranten geleistet.

Inzwischen haben die beiden Schulen eine Erklärung veröffentlicht, die hier zu lesen ist.

In Pohlheim leben alleine rund bis zu 3.000 syrisch-orthodoxe Christen vom Volk der Aramäer, die in den letzten Jahrzehnten hier Schutz vor Verfolgung suchten, gefunden haben und inzwischen ein fester und anerkannter Bestandteil des Lebens und sozialen Miteinanders sind. Besonders die kommunale Politik und Sportvereine haben dabei einen erheblichen Beitrag für die weitgehend gelungenen Integration der Kulturen geleistet. Freundschaften sind entstanden. Der Prozess ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen und es gibt noch viel zu tun, wissen alle Verantwortliche.

 

 

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