World Choir Games im russischen Sotschi erfolgreich beendet – Südafrika Gastgebernation 2018

World Choir Games im russischen Sotschi erfolgreich beendet

Fahnübergabe nach Tshwane (Pretoria) in Südafrika – „Nichts vereinigt Menschen besser als die Musik“ – Friedliches Miteinander der Chöre

Russische Folklore beim Finale der 9. World Choir Games Sotschi/Russland 2016

Russische Folklore beim Finale der 9. World Choir Games Sotschi/Russland 2016

POHLHEIM (rge), Am Samstagabend erklang letztmals bei den 9. World Choir Games im russischen Sotschi der offizielle Song „One Song – One World “ (Ein Lied – eine Welt) im Rund des Eishockeystadions der Olympiastadt am schwarzen Meer, dem Bolshoi Ice Palast. Es symbolisierte noch einmal die Völker verbindende Botschaft der zurückliegenden 12 Tage, die von den 12.000 Sängerinnen und Sängern aus allen Teilen der Welt ausgegangen war. Sie hatten im friedlichen Wettbewerb der Chöre sich zu einem der größten und wichtigsten weltumspannenden Chorfestivals getroffen. Die Abschlussfeier bildete dabei den emotionalen Schlusspunkt der Weltchorspiele, die von der mittelhessischen Kulturorganisation INTERKULTUR mit Präsident Günter Titsch aus Pohlheim an der Spitze gemeinsam mit dem russischen Kulturministerium, der Stadt Sotschi und der Region Krasnodar organisiert worden waren. Er konnte an diesem Abend noch einmal mit den Gästen eine grandiose Show der russischen Gastgeber erleben, zu der eigens aus Moskau hochrangige Gäste mit der politisch wichtigsten Frau in Russland, der stellvertretende Ministerpräsidentin Olga Golodez an der Spitze angereist waren. Aber auch die Anwesenheit von Kulturminister Wladimir Medinski und seinem Stellvertreter Alexander Zhurawsky, verdeutlichten die staatspolitische Bedeutung der World Choir Games für den russischen Staat als internationales kulturpolitisches Ereignis. „Nichts vereinigt Menschen besser als die Musik“ hatte Medinski so in der vorausgegangenen Presskonferenz gemeinsam mit Titsch unterstrichen.

 

Unterkultur-Präsident Günter Titsch (links) und der russische Kulturminister  Wladimir Medienski; hier bei der Schlussrede bei der Abschlusszeremonie der 9. World Choir Games Sotschi/Russland 2016

Unterkultur-Präsident Günter Titsch (links) und der russische Kulturminister Wladimir Medienski; hier bei der Schlussrede bei der Abschlusszeremonie der 9. World Choir Games Sotschi/Russland 2016

Die Teilnehmer, darunter besonders viele junge Leute, werden aber auch ohne große Politik die Gastgeberstadt in sehr guter Erinnerung behalten. Die zeigte sich von ihrer besten Seite, denn nicht nur die Sonne strahlte die Tage beständig vom Himmel sondern auch die Menschen von Sotschi waren freundlich, hilfsbereit, aufgeschlossen und neugierig auf die vielen „Ausländer“ die ihre Stadt besuchten. Fahnen und Transparente verkündeten das internationale Chorereignis und die staatlichen russischen Medien berichteten ausführlich. Die Regierung in Moskau hat bei alldem großes Interesse, dass die Stadt nach der Winterolympia 2014 auch weiterhin international belebt wird, wurde immer wieder unterstrichen. Manches „Bauchgrummeln“ von Besuchern im Angesicht der kritischen internationalen Medienberichterstattung über Russland stellte sich vor Ort als nicht begründet heraus. Sprachbarrieren wurden mit einem Lächeln und viel Gestik sichtlich bemüht überwunden. Man präsentierte sich weltoffen. Das große Aufgebot an Polizei verdeutlichte die hohen Sicherheitsbemühungen angesichts der Gefahr von Terroranschlägen. Mit ethnischen, religiösen und politischen Barrieren hatten die Chorsänger keine Probleme. Sie bewiesen auf den bis zu 10 Bühnen, dass Chormusik eine Einheit bilden kann und Brücken für ein besseres Verständnis füreinander fördert. In einer Zeit wieder verstärkt aufkommender Konflikte und Intoleranz in der Welt, eine positiv stimmende Beobachtung für den Zuschauer. So wurde beispielsweise bei der Parade der Nationen am Ende am Hafen gemeinsam gefeiert und getanzt, egal ob aus Israel, Iran oder China.

Auf Wiedersehen Sotschi!

Auf Wiedersehen Sotschi!

Und auch das erstmals drei Chöre von Menschen mit Behinderung gleichberechtigt dabei sein konnten war ein schönes Zeichen im Miteinander der Chöre. „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass wir gerade diese Menschen unterstützen.“ sagte Titsch während eines Treffens mit zweier dieser Chöre aus China. „Ich bewundere, dass sie trotz ihrer Behinderung von weit her nach Sotschi gekommen sind und mit Begeisterung bei den World Choir Games dabei sind.“ Dass die gehörlosen Kinder vom Tianjin Dolphin Hearing Disabled Children’s Choir (Tianjin) überhaupt den Gesang erleben können gleicht einem Wunder und ist Ergebnis langjähriger Forschungen hin zu einer heute weltweit eingesetzten technischen Innovation. Es ist ein Cochlea-Implantat mit einem Mikrofon und einem digitalen Sprachprozessor sowie Magneten die Töne für sie im Ohr erst hörbar machen. Dies öffnet ihnen damit das Tor zum Erlebnis im Chorgesang. Besonders bei den blinden Chormitgliedern vom Changsha Dream of Wings Blind Children Choir (Changsha, Hunan) ist zudem die Betreuung vieler Helfer auf ihrer Chorreise notwendig, wie auch bei einem armenischen Chor mit 20 Rollstuhlfahrern.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin der russischen Konföderation, Olga Golodez

Die stellvertretende Ministerpräsidentin der russischen Konföderation, Olga Golodez

Das dann auch noch die Medaillen und Urkunden groß in entsprechenden Zeremonien groß gefeiert wurden war selbstredend. Das am Ende Russland und China im Medaillenspiegel mit 88 beziehungsweise 56 mal Edelmetall – alleine 108 Chöre waren aus der Volksrepublik gekommen – war gut für die Statistik, schmälerte aber keineswegs die Leistungen der anderen Chornationen. So holte sich Deutschland mit seinen vier Chorvertretern aus Bremen, Köln, Potsdam und Hildburghausen/Thüringen dreimal Edelmetall und ein Diplom. Gold gab es jeweils in ihrer Kategorie im Wettbewerb der Champions für den Jazzchor der Universität Köln mit Chorleiter Dietrich Thomas und für die Bremer Musical Company/Voice over Piano mit Thomas Blaeschke, Silber für den Chor am Helmholtz Gymnasium Potsdam mit Helgert Weber am Taktstock. Ein silbernes Diplom holte sich der Sängerkreis Hildburghausen mit zahlreichen Senioren in den Stimmen im offenen Wettbewerb. Die waren allesamt überaus begeistert und nutzten zudem die Chorreise für eine Exkursion durch Russland und angrenzende Länder, wie Georgien.

Fahnenübergabe in Sotschi an das nächste Gastgeberland der 10. World Choir Games in Tswhane/Südafrika

Fahnenübergabe in Sotschi an das nächste Gastgeberland der 10. World Choir Games in Tswhane/Südafrika

 

Der beste Chor kam allerdings wie schon oft aus Südafrika. Der Stellenbosch University Choir unter Leitung des charismatischen Chorleiters Andre van der Merwe holte die großartige Punktzahl von 98,25 Punkte von 100 möglichen Punkten. Insgesamt wurde der auch in der INTERKULTUR-Weltrangliste führende Chor in drei Kategorien zum Champion der World Choir Games gekürt und gewann zudem den Sonderpreis mit einer CD-Aufnahme der Produzenten um Chorleiter Nicol Matt vom Musiklabel Hänssler Classic. Eine positives Resume der Chorauftritte zog der künstlerische Direktor, Prof. Ralf Eisenbeiß. Das nach Jahren des Verbotes von Musik in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten islamischen Land Afghanistan ein Chor dabei sein konnte Grenze für ihn persönlich an ein Wunder, hob er dabei besonders hervor. Dies und alles andere habe das olympische Ideal „Dabei sein ist die höchste Ehre.“ in besonderer Weise bei den World Choir Games verkörpert. Die Chöre seien jetzt für ihre zukünftigen Auftritte zusätzlich hoch motiviert und hätten in Sotschi eine hohe Qualität bewiesen.

 

In einer Grußbotschaft hatte sich zu Beginn der russische Staatspräsident Vladimir Putin selbst an die Chorsänger, Dirigenten und Juroren aus aller Welt gewandt „Eine solche Veranstaltung stärkt die gegenseitige Verständigung zwischen den Menschen.“ unterstrich er die Nationen übergreifende Bedeutung über die Musik hinaus. Bei der Fahnenübergabe von Sotschis Bürgermeister Anatoly Pakhomov an die Gastgeber zum 10. Jubiläum der World Choir Games und 30. Gründungsgeburtstag von INTERKULTUR in Südafrika sagte Interkultur-Präsident Günter Titsch so am Ende „Danke Sotschi für die freundliche Aufnahme! Welcome Tshwane!“ Titsch weiter „Südafrika ist ein Land der Chöre, ein Land des Singens. Wir schauen nach vorne zu den ersten afrikanischen World Choir Games 2018.“

Zum letzten Mal erklang die Friedensglocke als Zeichen des Abschieds von Sotschi mit fünf Schlägen, die für die Erdteile der Welt stehen. Den Rahmen bildete das bunte Abschlussbild mit russischen und internationalen Chören. Für Günter Titsch waren es bei den bisherigen weltweit neun World Choir Games die Besten und Beeindruckendsten, unterstrich er vor den Gastgebern. Dieser Tage kehrt das INTERKULTUR-Organisationsteam um Titsch wieder nach Fernwald und Pohlheim zurück.

 

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