„Gorsche schee woars!“ beim Fäägmeel-Abend

 Volkshalle Watzenborn-Steinberg ausverkauft 

Siegward Roth (links) und Berthold Schäfer ließen Fäägmeel wieder erstehen

Siegward Roth (links) und Berthold Schäfer ließen Fäägmeel wieder erstehen

POHLHEIM (rg/rge/ger), Lange 15 Jahre sind es her, als ich die heimische Mundartgruppe Fäägmeel das letzte Mal in der Volkshalle erleben dürfte. Damals vermittelte es mir das gute Gefühl von „dahoam“ zu sein und dabei war es das heimelige Zuhause mit vielen anderen Gästen auf ihrer Bühne, das mich in ihren Bann zog. Das dabei entstandene schöne Gefühl der Wärme und Zusammengehörigkeit kenne ich noch ganz genau. Am Sonntag schien es als sei die Zeit seitdem stehen geblieben. 200 Gäste sorgten bei der Lesung mit Musik unter dem Titel „Fäägmeel … lebt weiter“ für einen ausverkauften kleinen Volkshallensaal und alle warteten gespannt auf Siegward Roth und Berthold Schäfer. Die wollten an diesem Abend noch einmal die gefühlte, heile mittelhessische Fäägmeel-Welt von damals wach werden lassen. Schwetze, wie uns die Schnut gewachse is`“ mit Texten aus Siegwards Buch „E Geschicht fier sich“ und halt mit dem richtigen Blues im Blut bei Bertholds Gitarrenakkorden mit bekannten Mundart-Klassikern aus deren Textschmiede. Und es kam wieder das Gefühl von diesem Lagerfeuer auf, um das sich gleich gesinnte Versammeln und dabei von einer zurückliegenden Kindheit, Oma und Opa und der ganzen Viecherei drum herum träumen. Halt was für`s in den letzten Jahren arg strapazierte Heimat-Herz. 

 

Diese heimische Mundart mit ihrer ehrlichen Herzlichkeit und manchmal verschrobenen Direktheit ist ihre Mission, die sich die beiden Musikanten verschrieben haben. Roth als Autor von Mundart-Büchern und Schäfer mit seiner gerade neu formierten Gruppe Meelstaa mit den Fäägmeel-Liedern.  So genügten am Abend neben einer Flasche Wasser und Licher, die entsprechenden Geschichten mit ein paar Noten dazwischen um die Zuschauer für zwei Stunden die Weltereignisse um sich herum vergessen zu machen. Die Fragestellung „Warum schämt sich der Mittelhesse für seinen Dialekt?“, war damals schon der Ausgangspunkt zur Gründung von Fäägmeel erklärte Roth. Die Antwort gab es gleich „Für was dann Schame?“ , wenn Bayern, Berliner und Sachse schon immer stolz ihre Mundart sprechen?! Die Städter pflegen zudem mit Hochdeutsch ihre Einbildung auf das was man nicht kann, nämlich Plattschwetze auf dem Land, erläuterte er und das Pohlheimer Publikum juchzte. Und so waren sie alle schon mittendrin, in einer Welt in der die weit entfernten Nachbarn nicht einmal wissen, was eine „Grabbelleist“, „Quetschkomod“ oder ein „Schaude“ ist. Ihr damaliger 4-stimmiger „Uffschrei“ kam gewaltig mit Lust und Spaß beim Publikum an, wie auch aktuell mit nur zwei der damaligen Protagonisten von damals. Halt heute ein bisschen grauer und weißer. „Ohne Scheu, sich selbst sein.“ war Roths Philosophie ans Publikum gerichtet. „Weit und na“ sang Schäfer vom Herbst von Natur und Menschen und das Lied „Du“ war eine melancholische Hommage an die Liebe in Mundart. Auf ein klassisches Dilemma machte Roth zudem beim Kapitel „Geschlechterzoares“ aufmerksam. „Des groine or des rore Klad?“ war die Frage der Liebste, bei der die Antwort des Mannsbilds garantiert die Falsche war. Vom „Goggel und Giggel“ gings dann auch in der Musik und spätestens beim Fäägmeel-Hit schlechthin mit der „Rure Roiwe Roppmaschin“ sangen alle mit. Gut gereimt wurde die Zugabe „Wu die Äcker brat sei, die Wiese voll Koi, wu die Berge voll Woald soi, da schmeckt uns die Broi.“ angestimmt und der gemeine Mittelhesse war an diesem Abend mit allen anderen in der Watzenborn-Steinberger Volkshalle in Glückseligkeit vereint. „Gorsche schee woars!“

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