Grenzerfahrungen mit Liebe und Tod bei Orgel+-Konzert

Gesang und Orgelmusik sowie Rezitation bei Orgel+ in der Christuskirch liefertn der Kirchenmusiker, Martin Schmeding (Orgel) und der Bariton, Torsten Meyer (Gesang und Sprecher, lnks) bei „Weisen von Liebe und Tod“

POHLHEIM, WATZENBORN-STEINBERG (rge/ger/rg), Fremd und bizarr mutet es an, wenn ein Komponist im Angesicht des alltäglichen Todes als Insasse eines Konzentrationslagers noch in der von den Nationalsozialisten genannten „Freizeitgestaltung“ eigene Kompositionen realisiert. Der österreichisch-tschechische Komponist, Viktor Ullmann (1898-1944) verwirklichte aus einer ungebremsten Schaffenskraft und Optimismus im KZ Theresienstadt bis zu seiner Ermordung 18. Oktober 1944 im Todeslager Auschwitz Musikstücke über die Liebe und den Tod, von denen „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph von Rilke“ herausragte. Dieses Melodram führten im Rahmen der Orgel+-Konzertreihe in der Christuskirche Watzenborn-Steinberg am Freitagabend der Kirchenmusiker, Martin Schmeding (Orgel), und als Rezitator der Texte von Rainer Maria Rilke (1875-1926), der Bariton Torsten Meyer auf. 

 

Gleich einem Orchester, für den das Stück konzipiert war, führte der in der Kirchengemeinde bereits durch mehrere außergewöhnliche Auftritte bekannte Freiburger Instrumentalist, Schmeding das Werk Ullmanns auf. Die rezitierten Rilke-Texte durch Meyer, erweckten in Tonlage, Geschwindigkeit und Lautstärke die Geschichte des Soldaten im „Türkenkrieg“ authentisch für die Zuhörer im Kirchenschiff bis zu seinem Tod bildhaft zum Leben. Lauschend hörten die Zuhörer zu, was Ullmann zur dramatischen Handlung in Noten gesetzt hatte. Passend zur Einführung in den Konzert-Titel hatten sie zudem drei Sterbelieder aus dem Schemelli-Gesangbuch ausgesucht, die von Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Präludium c-Moll BWV 546 und der Fuge c-Moll BWV 546 eingerahmt, die Todessehnsucht und den Gottesglauben in ihrer sakral-musikalischen Einheit versinnbildlichten. Bei den Liedern kam die Bariton-Stimme des in Hannover wirkenden Sängers, Torsten Meyer voll zur Entfaltung und unterstrich im Zusammenspiel mit dem Orgelspiel von Schmeding die tiefe Botschaft der Lieder und der Musik. Ein wahrhaft beeindruckendes Konzert der beiden Musiker, dass von den Zuhörern mit viel Applaus bedacht wurde.

 

Beim nächsten Orgel+Konzert am Freitag, den 2. November um 19 Uhr ist dann Jazz mit der 1997 von Steve Dobrogosz komponierten „MASS“, aufgeführt vom Dekanats-Projektchor und Marina Sagorski (Klavier und Orgel) unter der Leitung von Kantorin, Yoerang Kim-Bachmann zu hören.

 

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