Schriftstücke vom Holzheimer Kirchturm berichten von stürmischen Zeiten

Der Holzheimer Kirchenvorsteher Herbert Jung (links) sicherte mit Architektin Stefanie Muskau, Pfarrerin Mirjam Welsch und den für die Renovierungsarbeiten mitverantwortlichen Pfarrer Lutz Neumeier die Hülse mit den historischen Texten von den Arbeiten an der Kirche aus dem Jahr 1931 und 1956 aus der Halterung des Wetterhahns

Der Holzheimer Kirchenvorsteher Herbert Jung (links) sicherte mit Architektin Stefanie Muskau, Pfarrerin Mirjam Welsch und den für die Renovierungsarbeiten mitverantwortlichen Pfarrer Lutz Neumeier die Hülse mit den historischen Texten von den Arbeiten an der Kirche aus dem Jahr 1931 und 1956 aus der Halterung des Wetterhahns

POHLHEIM/HOLZHEIM (rge/ger/rg), Von stürmischen Zeiten mit verlorenen Krieg, hoher Arbeitslosigkeit, Geldentwertung mit dem Verlust des Ersparten und vielen Entbehrungen und Leid berichten zwei Schriftstücke aus den Jahren 1931 und 1956 die aus einer Metallhülse vom Kirchturm der Holzheimer Kirche gesichert wurden. Die beiden Briefe die von den damaligen Bürgermeistern Heinrich Buß (1931) und Heinrich Jung (1956) geschrieben und unterzeichnet sind, wurden im Rahmen der Renovierungsarbeiten der Kirche von Kirchenvorsteher Herbert Jung gemeinsam mit Architektin Stefanie Muskau, Pfarrerin Mirjam Welsch und Pfarrer Lutz Neumeier mit weiteren Vertretern der Holzheimer Kirchengemeinde gesichtet.In 36 Meter Höhe über den Dächern von Holzheim beobachteten die Kirchenvertreter und Bauleitung am frühen Montagmorgen den Abbau des in grüner Patina verwitterten Wetterhahns durch die Dachdecker der Firma Erich Häßner aus Nidda. Gesichert durch ein spezielles Turmgerüst wurde das lange Rohr mit Kugel, Windfahne und daran befestigten Hahn aus Kupfer abmontiert. Die Kugel zierte so manchen Einschuss.

 

Der Inhalt des Rohrs wird gesichtet

Der Inhalt des Rohrs wird gesichtet

Eine Erklärung lieferte dafür der noch lebende und anwesende Holzheimer Spenglermeister Heinz Jung, der damals im Oktober 1956 bei der Renovierung der Holzheimer Kirchturmspitze beteiligt war. 30 Löcher wurden damals in der Kuppel und dem Hahn festgestellt, weil ein Flieger gegen Ende des 2. Weltkriegs die Scheune des Nachbarhauses Wilhelm Grieb V. Erben in Brand geschossen hatte und dabei auch den Kirchturm getroffen hatte. „Gebe Gotte, …, dass nie wieder kriegerische Auseinandersetzung Schaden anrichten.“ ist in dem in der Hülse hinterlegten Schreiben vom 10. Oktober 1956 zu lesen. Ähnliches war schon 1931 zu lesen, denn da wurde um 40 Mitbürger getrauert die den „Heldentod“ gestorben waren. „Als der Friede geschlossen war gab es in Deutschland eine Geldentwertung (Inflation), bei der alles Spargeld verloren ging. So wurden wir Jahr für Jahr ärmer. … Auch in unserer Gegend sind fast alle Arbeiter ohne Verdienst. … Trotz all dieser Not hat die Gemeinde die Kosten für die Herstellung des Kirchturms auf sich genommen.“ ist auf dem mit 2. Oktober 1931 datierten und stark verwitterten Papier nachzulesen. Hier wurde auch vermerkt, dass die Wetterfahne die Jahreszahl 1633 aufweist und damals „geflickt und wiederverwandt“ wurde. Schon immer bildete die Kirche für die Bürgerinnen und Bürger Holzheims ein Zeichen für den Zusammenhalt und Gemeinschaft in dem heutigen Pohlheimer Stadtteil.

 

Aktuell gehen die Sanierungsarbeiten am Holzheimer Gotteshaus, wie geplant weiter. Bis Herbst wollen Maler und Dachdecker die Außenarbeiten an Turm, Schieferschindeln, Dach und Fassade beendet haben, berichtet Architektin Stefanie Muskau. Dann soll auch die Spitze mit Windfahne und Hahn wieder in der Sonne auf dem Holzheimer Kirchturm in neuem Glanz erstrahlen. Bis dahin haben die Restauratoren noch Zeit die Schäden am Metall zu beseitigen.

 

Kirchenvorsteher Herbert Jung freut sich neben den guten Verlauf der Arbeiten auch über die große Spendenbereitschaft aus der Gemeinde. Inzwischen wurde die Spenden-Marke von 95.000 Euro überschritten. Das macht ihn optimistisch, dass die anvisierten 130-140.000 Euro, die die Kirchengemeinde beitragen soll, erreicht werden. Insgesamt sind 700.000 Euro an Investitionen nötig.  Spenden für die Kirchensanierung in Holzheim kann man jederzeit unter den Spendenkonten bei der  Sparkasse Gießen, Konto 205026320, Bankleitzahl 513 500 25 oder bei der Volksbank Mittelhessen, Konto 97183929, Bankleitzahl 513 900 00.

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