125 Jahre Jugendfreund: Fortissimo zur Klassik-Gala

O-Töne von Sängerinnen und Sängern – Vorfreude auf Klassik Open-Air Gala

vlnr. Josef Lhotak, Ernst-Günther Haas, Gaby Häuser und Ronald Seipp präsentieren die "Jubiläums-Fortissimo" zum 125-jährigen Jubiläum vor der Klassik Open-Air Gala

vlnr. Josef Lhotak, Ernst-Günther Haas, Gaby Häuser und Ronald Seipp präsentieren die „Jubiläums-Fortissimo“ zum 125-jährigen Jubiläum vor der Klassik Open-Air Gala

POHLHEIM, WATZENBORN-STEINBERG (rge), „Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit“ zitiert die Jugendfreund-Vorsitzende Gaby Häuser den Dichter Henry Wadesworth Logefellow in der jetzt veröffentlichten Festschrift „Jubiläums-Fortissimo“ zum 125-jährigen Jubiläum. Diese universelle Sprache verstehen seit Generationen von Sängerinnen und Sängern des Gesangvereins Jugendfreund 1888 Watzenborn-Steinberg im Gesang vereint ganz besonders gut. Regelmäßig erfreuen sie mit dem gemeinsamen Klang ihrer Stimmen bei Sängerfesten, Festivals und Konzerten ein begeistertes Publikum in Mittelhessen, Deutschland und der Welt. Drei internationale Chorfestivals veranstaltete der Jugendfreund erfolgreich und brachte damit die Chorwelt erstmals in die „Singende Stadt“ Pohlheim. Ihre Stimmen wurden vergoldet bei großen Erfolgen in Wettbewerben. Jetzt zum 125-jährigen Jubiläum haben sie erneut Großes mit einer Klassik Open Air Gala unter freiem Himmel auf der Mockswiese vor. Am Samstag, den 24. August um 20.30 Uhr öffnet sich dann der Vorhang für die Jugendfreund-Chöre, das Philharmonischen Orchester des Stadttheaters Gießen und den Solisten, dem Düsseldorfer Heldentenor Wolfgang Schmidt von der Deutschen Oper am Rhein, dem am Tiroler Landestheater in Innsbruck tätigen Bassbariton Joachim Seipp sowie der italienischen Mezzosopranistin Giuseppina Piunti. Ihre Musik und der Gesang verbindet Jugendfreund-Chorleiter und Orchesterdirigent Jan Hofmann als musikalischer Gesamtleiter zu einem einzigartigen Hörgenuss. „Pohlheim kann sich auf ein ganz besonderes und einzigartiges Konzertereignis freuen.“ sind sich die Jugendfreund-Verantwortlichen um Konzert-Projektleiter Josef Lhotak im Pressegespräch mit der Allgemeinen sicher.  

 

Die im Jahr 1913 noch lebenden Gründer des Gesangverein Jugendfreund 1888

Die im Jahr 1913 noch lebenden Gründer des Gesangverein Jugendfreund 1888

Das man dabei die eigenen Wurzeln des Chorgesangs nicht aus den Augen verliert, wird in der am Donnerstagabend stattgefunden Pressekonferenz bei Auto Häuser deutlich. Denn im „Jubiläums-Fortissimo“ geht es nicht einfach um eine chronologische Aufzählung der Geschichte. Man geht neue Wege in dem man noch lebende Zeitzeugen der letzten Jahrzehnte der Chorgeschichte im O-Ton zu Wort kommen lässt. Das aber auch die im Jahr 1913 noch lebenden Gründer fotografisch in der aktuellen Festschrift dokumentiert werden und als erste Dokument das Singstundenbuch vom 1. August 1888 zu sehen ist zeigt das Traditionsbewusstsein der Jugendfreundler. Roland Seipp, Gaby Schäfer und Werner Schmitt haben dazu den Inhalt zusammengestellt. Dessen Schwerpunkt sind dann auch neben historischen Bildern kleine Anekdoten, persönliche Erlebnisse und Eindrücke von Sängerinnen und Sängern.

 

So erinnert sich Karl Sommer an die ersten Proben nach dem 2. Weltkrieg. Damals war ab der ersten Probe am 6. Oktober 1945 Robert Häuser Chorleiter und der der die Stimmen prüfte und trainierte. In dieser Zeit nach viel Leid und Trauer, gab es für jeden Kriegsheimkehrer ein Ständchen, erinnert Sommer sich. Die Stiftungsfeste waren Höhepunkte des kulturellen Lebens und es wurde viel geheiratet. Werner Häuser erinnert sich hingegen an die erste gewonnene Fußballweltmeisterschaft 1954 und an seine Hochzeit, bei der der Jugendfreund-Männerchor „Zwölf Räuber“ im Solo mit Reinhold Seipp sang. Die ehemalige Krone-Wirtin Hilde Buß berichtet von der ersten Vereinsveranstaltung im Elternhaus ihres Vaters Robert Häuser. „Nachkirmes“ war angesagt am 15. November 1949. 1954 wurde der Krone-Saal gebaut und 1955 heiratete sie ihren Ernst. Viel gearbeitet und erlebt hat sie bei den zahlreichen Jugendfreund-Veranstaltungen. Kurt Seel weiß hingegen vom Ortssporttag mit Jugendfreund-Beteiligung in den 50er Jahren zu berichten, der aufgrund vieler Verletzungen im Volksmund „Ortsgipstag“ genannt wurde. In Venlo/Holland war man erstmals 1964 international erfolgreich. Der 1. Klassenpreis wurde groß gefeiert. Der vorausgegangene Weingenuss war wohl der Grund, dass die Jugendfreund-Sänger durch das Preisgericht 1965 in Enzheim bei Alzey „nur“ den 2. Platz erhielten. Den Juroren waren zuvor einige Nüsse beim Volkslied „Ging ein Weiblein Nüsse schütteln“ auf den Kopf gefallen, vermutet Erhard Seel als Grund noch heute. An die Gründung im Jahr 1976 der „Kapaunen“, der Jugendfreund-Stammtischgruppe, erinnerte sich Werner Punzert. Für Gerhold Häuser war die Zeit des legendären „Altbierfestes“ prägend. 30 Jahre war das Altbierfest mit bis zu 3.000 Besuchern die Erfolgsveranstaltung von Jugendfreund und Burschenschaft. So zieht sich die Erzählungen bis hin zu Bernd Sommer in die 90er Jahre, der gerne an das Weihnachtskonzert in der Nikolaikirche am Frankfurter Römer und an das Konzert in der Alten Oper mit den Hans-Weiss-Chören denkt. Als Sängerin singt Kathinka Tamm schon 22 Jahre im Jugendfreund-Frauenchor. Als „geile Veranstaltung“ erlebte sie das Singen in Leihgestern, wo der Chor den Publikumspreis 2011 holte. Und Marita Biehl wurde von einer „Frauenchorgegnerin“ zum Jugendfreund-Fan und Sängerin bekehrt, bekennt sie in Fortissimo. Vom Nachbarchor der Eintracht gratuliert deren Ehrenvorsitzende Gerhard Bodenbender. Das in den 80er Jahren Eintracht, Jugendfreund und Sängerkranz den gleichen Chorleiter mit Hans Weiss hatten, findet er ungefähr so als hätten die Bundesliga-Mannschaften aus Dortmund, Leverkusen und München den gleichen Trainer. Für die Chöre war der verstorbene Hans Weiß ein Glücksfall. Er brachte die Brudervereine damals schon näher zusammen, unterstreicht er. Auch die ehemaligen Vorsitzenden Roland Seipp und Ernst-Günther Haas kommen zu Wort. War für Seipp neben schönen Erfolgen bei Wettbewerben und Konzerten, einer veröffentlichten CD mit dem Titel „Ein Rückblick (Hans Weiß)“ und sage und schreibe 456 Mitgliedern im Jahr 1996 wichtig, blieb ein ihn persönlich „stechender Punkt“ mit der Ablösung von Jugendfreundler Dieter Schäfer als Chorleiter haften. Haas der danach die Geschicke prägte würdigte das erste Konzert im Jahr 2006 mit dem Universitätsorchester zum 120. Jugendfreund-Geburtstag. Die Reise nach Andalusien in Spanien im Jahr 2004 war für ihn ein herausragendes Ereignis. In dieses Jahr fiel auch die letzte große Zeltveranstaltung des Jugendfreund. Sorge und Ungewissheit um die Zukunft des Vereinslokals „Krone“ trieben die Mitglieder um. „Unzählige Erinnerungen bleiben aus der vergangen Zeit mit „meinem Verein“ zurück“ so Haas und erinnert nochmals an Reisen nach Rom, Wien, Budapest, St. Petersburg sowie an tolle Erfolge bei Wettbewerben.

 

Die Jugendfreund-Sängerinnen und Sänger im Jahr 2013 (Bild: Stephan Sieber)

Die Jugendfreund-Sängerinnen und Sänger im Jahr 2013 (Bild: Stephan Sieber)

Als „ein gutes Stück Leben“ bezeichnet er den Jugendfreund heute, denn mit dem bevorstehenden Konzert „Voci nella Notte“, der Klassik Open-Air Gala auf der Mockswiese am 24. August setzen die Jugendfreund-Chöre unter Leitung von Chorleiter Jan Hoffmann die Geschichte mit herausragender Chormusik in ihrem Jubiläumsjahr fort. Karten für „Voci nella notte – Stimmen in der Nacht“ vom Jugendfreund in Kooperation mit dem Stadttheater Gießen am Samstag,
24. August 2013 gibt es noch unter Telefon 06403/1304 oder
0177/2957906, per Mail unter vocinellanotte@gmx.de sowie an der Theaterkasse unter 0641/795760 und bei Auto Häuser Pohlheim. Bis zu 2.000 Musikfreunde werden erwartet und können sich unter anderem auf Klassiker, wie Richard Wagners Matrosenchor aus dem „Fliegenden Holländer“ oder Verdis Chor der Zigeunerinnen aus „La Triviata“ zum 125. Jugendfreund-Geburtstagsjubiläum freuen. Insgesamt 22 Meisterwerke der  wurden ausgesucht.

 

 

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