Rumänien-Hilfe endet – Pohlheimer Friedhelm Rüb half Menschen und fand Freunde

Friedhelm Rüb in Siebenbürgen/Rumänien im Jahr 1996 im humanitären Einsatz (Foto Rüb)

Friedhelm Rüb in Siebenbürgen/Rumänien im Jahr 1996 im humanitären Einsatz (Foto Rüb)

POHLHEIM (rg/rge/ger), Wenn der 77-jährige Friedhelm Rüb auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurückblickt, dann ist er voller Dankbarkeit in der Begegnung mit den Menschen in Siebenbürgen/Rumänien. Der sozial und christlich engagierte Dorf-Güller ist Gründer der Pohlheimer Rumänienhilfe. 1988 wurde er durch einen Vortrag der Süd-Ost-Europa-Mission in der evangelischen Stadtmission auf die schlechte Situation, vor allem in der Krankenversorgung, in dem Balkan-Staat aufmerksam. Der gelernte Krankenpfleger und damlige Pflegedienstleiter im Krankenhaus in Lich war neugierig geworden und wollte helfen. Den Auftrag Gottes „Gehet hin…“ war für ihn mehr als Nächstenliebe und so reiste er 1991 erstmals mit einem Team von drei Personen mit Hilfsgütern nach Rumänien. Es folgten 28 Jahre jährlich bis zu vier Transporte von meist medizinischem Gerät, Zimmerausstattung und Medikamenten. Ende dieses Jahres beendet der 1991 offiziell gegründete Verein seine humanitäre Tätigkeit und damit endet auch für Rüb ein wichtiger Lebensabschnitt. Rumänien hat sich verändert, vieles ist für die Menschen dort besser geworden, auch in Krankenhäusern und Schulen, freut er sich. Rübs Bilanz fällt so im Blick zurück für die Pohlheimer Rumänienhilfe und den geholfenen Menschen positiv aus.

 

Friedhelm Rüb im Dezember 2018

Friedhelm Rüb im Dezember 2018

Seine christliche Überzeugung trägt Rüb bis heute durch sein Leben. So erinnert er sich auch an seinen 50. Geburtstag im Jahr 1991 als er sich entschloss auf Geschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden für Siebenbürgen zu bitten. Dort hatte er zuvor Menschen erlebt, die ohne Behandlung mit notwendigen Infusionen, Medikamente, wie Insulin auf einfachsten Eisenbetten ohne Matrazen starben. „Du kannst nicht einfach so tun, als hättest du dies nicht gesehen.“ sagt er noch heute an diese für ihn und sein Team bleibenden Erinnerungen. Der Hilfstransport aus seinen Geburtstagsspenden war dann der erste Dominostein für ihn, der die Reihe von über 500 Hilfstransporten eröffnete. Insgesamt kamen so über die Jahre Hilfsgüter im Gesamtwert von rund 2 Millionen Euro zusammen, hat er ausgerechnet.

 

Die Strecke von 1.800 Kilometer nach Siebenbürgen war immer voller Abenteuer, denn nicht weniger als drei Ländergrenzen waren damals mit allen Formalitäten zu bewältigen. Alleine die Wartezeit an der ungarisch-rumänischen Grenze betrug bis zu 12 Stunden und oft half nur der Anruf im deutschen Generalkonsulat in Hermannstadt, der die Abfertigung beschleunigte. „Warum, weiß ich bis heute nicht.“ sagt Rüb. Korruption war gerade nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ bei den damaligen osteuropäischen Zollbeamten alltäglich, so war beispielsweise Kaffee und Schokolade fest im Kontingent für die Zöllner eingepreist. 10 bis 12 Helferinnen und Helfer, darunter Mitarbeiter des Licher Krankenhauses, wie Jochen Toran oder vom Deutschen Roten Kreuz, wie Volker Wiegand waren anfangs neben Rüb mit unterwegs.

 

In Tirnaveni (deutsch: St. Martin) angekommen wurden sie freudig erwartet. Aber nicht nur das Krankenhaus wurde dort versorgt, sondern auch an Kinder in Kindergärten und Schulen sowie Senioren in entsprechenden Einrichtungen bedacht. Unterschiede in der Hilfe vor Ort, egal welcher Herkunft, wurden bei der Rumänienhilfe nie gemacht, erklärt Rüb. Es wurde über die Jahre eine Schulspeisung eingeführt, die nur das Kind bekam, dass auch die Schule besuchte. Das war damals nicht selbstverständlich und so waren die Lehrer entsprechend über die Rumänienhilfe dankbar, die mit ihrer Aktion half den wichtigen Schulbesuch populär zu machen. Für 7.000 Euro wurde 2004 ein Zahnbehandlungseinheit gekauft, die bis heute in Betrieb ist. Dazu wurde eine Zahnärztin eingestellt.  Es wurden Toiletten im Kinderheim Tirgu Mures durch die Helfer gebaut, das Krankenhaus renoviert und eine neue Heizung installiert. Das alles aus Spendengeldern, die die 100 Mitglieder mit Hilfe auch von heimischen Unternehmen und Unterstützern gesammelt hatten. Das sich dabei auch menschliche Beziehungen entwickelten, die weit über das übliche freundschaftliche hinausgehen, freut sich Rüb. 2015 heiratete sein deutschen Helfer Jürgen Bogner eine als Dolmetscherin tätige Einheimische. Beide leben dort gemeinsam glücklich.

Friedhelm Rüb mit Helferin zu Gast bei einer Familie in Tirnaveni im Jahr 1996 (Foto: Rüb)

Friedhelm Rüb mit Helferin zu Gast bei einer Familie in Tirnaveni im Jahr 1996 (Foto: Rüb)

Überhaupt sind es diese freundschaftlichen Begegnungen, die sich über die Generationen entwickelt haben. Es sind Rüb Glücksmomente. Wenn er heute durch Tirnaveni kommt, erkennen ihn viele Bürger auf der Straße und Erwachsene, die damals noch Kinder waren erinnern sich an die Hilfe durch den Pohlheimer und seine Helfer. Von staatlicher kirchlicher Seite wurde er bereits von Rumänien als auch aus Deutschland für eben diese Hilfe, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Hessischen Verdienstorden am Bande, gewürdigt.

 

Wenn der Verein der Pohlheimer Rumänienhilfe offiziell zum 31.12.2018 aufgelöst ist, dann werden die kommenden Monate noch einige Dinge abgewickelt werden müssen, erklärt Rüb. Das Materiallager in Dorf-Güll hat dann bald mit dem Obst- und Gartenbauverein einen neuen Nutzer. Noch sind allerdings einige Dinge aufzuräumen. Am Ende geht dann das verbliebene Vereinsvermögen satzungsgemäß an die Süd-Ost-Europa-Mission. Bei ihr hat alles seinen Anfang genommen, dort wird die Geschichte auch enden. Die Projekte, wie auch die ambulante Pflegestation, werden von Partnern vor Ort weitergeführt. Für Nachhaltigkeit ist gesorgt.

 

Im April kommenden Jahres reist er noch einmal nach Siebenbürgen. Dann wird er von den Stadtoffiziellen in Siebenbürgen verabschiedet und der Pohlheimer Rumänienhilfe gedankt werden.

 

Wichtig ist Rüb sein ganz persönliches Dankeschön an alle Unterstützer aus dem Landkreis Gießen, zu denen er auch ganz besonders die Redakteure der Gießener Allgemeine über die Jahre für ihre Berichterstattung zählt.

 

Er selbst will sich nun intensiv um seine Familie kümmern. Und natürlich wird der ausgebildete Prädikant in der evangelischen Kirche von Zeit zu Zeit noch seine Stimme in den Gottesdiensten für die Menschen erheben. „Arbeitslos werde ich nicht.“ sagt er.

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