Die Gurke blieb gerade – Neujahresempfang der Bezirkslandfrauen

Die Gurke blieb gerade – Europäische Union mehr Nutzen als Frust

Neujahresempfang der Bezirkslandfrauen in Pohlheim mit Prof. Dr. Sven Simon

„Musik ist nicht immer nur Party“ wussten die beiden Sänger Dr. Frank Füglein und Michael Hofmann

„Musik ist nicht immer nur Party“ wussten die beiden Sänger Dr. Frank Füglein und Michael Hofmann

POHLHEIM (rge), „Musik ist nicht immer nur Party“ wussten die beiden Sänger Dr. Frank Füglein und Michael Hofmann zu Beginn ihres Auftritts zu berichten und stimmten mit der Melodie eines alten irischen Volksliedes das romantische „Mein lieber Freund“ an. Über 350 Frauen hörten von ihnen Nachdenkliches aber auch Beschwingtes zum Auftakt des offiziellen Teils des Neujahrsempfangs des Bezirkslandfrauenvereins in der Volkshalle Watzenborn-Steinberg in Pohlheim. Zuvor hatte die Vorsitzende Christel Gontrum die Gäste begrüßt, darunter auch Ehrengast und Gastredner beim traditionellen Empfang, dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Sven Simon von der Philipps-Universität Marburg. Der hatte sich im Hinblick auf die bevorstehende Europa-Wahl am 26. Mai 2019 passend das Thema „Das Wunder von Europa: Vom Schlachtfeld zur Union“ ausgesucht. Die Party der Freundlichkeiten sind auch auf europäischer Ebene unter anderen durch Brexit und durch die Verteilung der Flüchtlinge getrübt, um so eindringlicher war die Botschaft des EU-Experten und Völkerrechtlers für die Werte der EU mit Frieden, Demokratie und wirtschaftlicher Stärke im besonderen Blick auf die Entwicklungen der Großmächte in China, Russland und den USA. 

Vorsitzende Christel Gontrum mit Ehrengast und Gastredner beim traditionellen Empfang, dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Sven Simon

Vorsitzende Christel Gontrum mit Ehrengast und Gastredner beim traditionellen Empfang, dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Sven Simon

„Heimat ist dort, wo man geboren ist und wo man sich wohlfühlt.“ sagte Gontrum, die bereits seit 2001 die Geschicke des Bezirkslandfrauenvereins als Vorsitzende führt. Sie würdigte deren ehrenamtliche Arbeit der Landfrauen und warb für die aktive Arbeit in der Organisation. Besonderer Dank ging an die Damen des Ortsvereins Lahntal/Heuchelheim, die für das reichhaltige Frühstücksbuffet gesorgt hatten. Vor den Gästen, darunter unter anderem Ehrenvorsitzende Mechthild Glasbrenner und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Manfred Paul drehte der Gastredner Prof. Dr. Simon in seiner Rede am Zeitrad.

 

Europas Tod und Leid bringende Zeiten, wie der französischen Revolution bis hin zu den beiden Weltkriegen rief er in Erinnerung. Aus all diesen Erfahrungen entstand das größte Friedensprojekt, stellte Simon als erklärter Europäer klar. „Europa ist der schönste und attraktivste Kontinent.“ Neben Landschaften und Menschen seien dies auch deren Werte. Parlamentarische Demokratie und verbriefte Freiheitsrechte gebe es so nicht in allen Teilen der Welt. „Wir Europäer sind relativ klein.“ stellte er zudem im Blick auf das kleine ein Prozent der deutschen und sieben Prozent des europäischen Anteils an der Weltbevölkerung klar. „Gemeinsam. Zusammenstehen.“ sei daher um so wichtiger, um diesen Anteil in einer globalisierten Welt in die Waage zu werfen. Die Idee des geeinten Europas mit Churchills Vision den „Vereinigten Staaten von Europa“ rief Simon zudem in Erinnerung. Nach dem Krieg wurde die im militärischen Bereich die NATO und im wirtschaftlichen die EWG (1957), die wirtschaftliche Vorläuferorganisation der heutigen und 1993 gebildeten Europäischen Union (EU), gegründet. Dazwischen war 1967 bereits die Europäische Gemeinschaft gebildet worden. Der französische Außenminister Robert Schumann schuf mit dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer zuvor 1951 die Montan-Union in der Stahl- und Kohle-Regionen. All das hatte die Kernidee Kriege in Europa zu verhindern.

 

Heute zählt der EU-Binnenmarkt, mit seinem starken Euro, wie selbstverständlich zum Alltag, so Simon. Einkaufen, Arbeiten, Investieren, Niederlassen und weitgehend kontrollfreies Reisen sind für jeden EU-Bürger heute selbstverständlich verbriefte und angenommene Rechte, erläuterte er. Bürokratismus, wie die Diskussionen um den berüchtigten „Krümmungsgrad der Gurke“ nannte er als negatives Beispiel, über die heute keiner der damaligen Kritiker mehr diskutiert. „Im Supermarkt findet man trotz Abschaffung der EU-Vorschrift nur noch gerade Gurken.“ bemerkte er zur allgemeinen Erheiterung. Wirtschaftlichen Krisen wurden bestanden und auch die Preisstabilität sei gewahrt. Die Leistung mit der Friedensordnung wurde die EU der 28 Mitgliedsländer gar mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. „All das in der EU dient gemeinsam den Zielen Frieden, Freiheit, Wohlstand“ Dazu gehöre auch die gemeinschaftliche Lösung der Immigration. „Europa ist die eine Zukunft und sonst haben wir keine.“ schloss Simon seinen Vortrag unter starken Beifall.

 

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