Holocaust-Gedenken: Verfolgung durch „zivilisierte Menschen“

Stolpersteine für jüdische Familien bald auch in Grüningen

Holocaust-Gedenkveranstaltung erinnerte an menschliche Schicksale in Pohlheim

Pohlheimer Bürger beim Gedenken an die Opfer des Holocaust in der Grüninger Kirche

Pohlheimer Bürger beim Gedenken an die Opfer des Holocaust in der Grüninger Kirche

POHLHEIM (rg/rge/ger), Zum zentralen Pohlheimer Gedenken an den Holocaust des jüdischen Volkes und der Befreiung von Auschwitz trafen sich am Sonntagnachmittag in der evangelischen Kirche Grüningen Bürgerinnen und Bürger. Sie waren auf Einladung der hiesigen Initiatoren der Aktion Stolpersteine gekommen. Simone und Tim van Slobbe berichteten im Rahmen des Gedenkens auch von damals betroffenen Grüninger Familien jüdischen Glaubens, die nicht nur ihre Heimat, sondern teilweise auch ihr Leben verloren. Nach den ersten Stolpersteinen im Jahr 2009 in Watzenborn-Steinberg werden in diesem Jahr auch in Grüningen 11 Gedenksteine an drei Orten vor ihren ehemaligen Heimathäusern an das Leben dieser jüdischen Mitbürger in unserer Gesellschaft erinnern.

 

Zitiert wurde unter anderem aus den Erinnerungen der Familien Wallenstein und Engel, die später in Frankfurt Schikane und Verfolgung hautnah miterlebten. Einige konnten emigrieren, andere starben in Konzentrationslagern. Aus den Erinnerungen von dem im diesen Januar verstorbenen Siegbert Werner Katz, einem ehemaligen Watzenborn-Steinberger aus dem Familienhaus Kreuzplatz 3 (früher Adolf-Hitler-Platz 3), wurde ebenfalls zitiert und aus dessen Aufzeichnungen an die Ermordung seiner Eltern Isidor und Hilda Helene Katz im KZ Treblinka erinnert. Drei Generationen lebte die Familie Katz friedlich in ihrer Heimatgemeinde, bevor das Unheil über die Familie mit der Abholung durch die SS hereinbrach. Mit dem Kindertransport konnte er 1939 mit seinem 2009 verstorbenen Bruder Ferdinand Manfred Katz über Holland rechtzeitig ausreisen und nachdem die NAZIS das Land besetzt hatten nach England fliehen. 1946 emigrierten sie in die USA nach Philadelphia. Die Erinnerung an die Vernichtung der Juden im Holocaust und die selbst erlebte Verfolgung blieb dabei als bis heute unverständliches Ergebnis von „zivilisierten Menschen“ erhalten, konnte man hören. Kindheitserinnerungen aus dieser Zeit rezitierte danach Sigrid Mulch aus dieser Zeit von einer Zeitzeugin über eine verlorene Jugend in Österreich nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich. Hitlergruß und Hakenkreuz gehörten selbstverständlich dazu. Juden wurden ausgeschlossen, erlebte das Kind schon in der Schule. Jüdische Lieder erklangen zwischen den weiteren Schicksalsgeschichten die auch Reimar Stenzel rezitierte. Grüninger Familiengeschichten von den Engels, Goldschmidts, Wallensteins und weiteren werden bald mit der Installation der Stolpersteine aufgearbeitet und damit lebendig, kündigte Tim van Slobbe an.

 

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